Psychische Belastungen im Erwachsenenleben

Im Verlauf unseres Lebens sind wir immer wieder mit herausfordernden Situationen konfrontiert. So lange sich die Anforderungen und Belastungen und unsere Ressourcen die Waage halten, schafft es unsere Psyche, gesund zu bleiben. In jeder Lebensphase kann diese Balance aber nach belastenden Erlebnissen aus dem Gleichgewicht geraten.

Risikofaktoren für die psychische Gesundheit

Die psychische Gesundheit ist nicht etwas Starres, sondern kann sich im Verlauf des Lebens immer wieder ändern. Manchmal fühlen wir uns wohl, zufrieden, ausgeglichen, von unserem sozialen Umfeld unterstützt und schaffen es den Alltag und die Arbeitsbelastungen mühelos zu bewältigen. Aber es gibt auch Tage, an denen schwarze Wolken am Horizont aufziehen. Wir fühlen uns niedergeschlagen, kraftlos und haben das Gefühl, dass die Herausforderungen des Lebens nicht zu meistern sind.

Unabhängig vom eigenen psychischen Wohlbefinden und der eigenen psychischen Widerstandskraft gibt es aber auch Ereignisse und Situationen, die unter bestimmten Voraussetzungen, dazu beitragen können, dass Menschen psychische Probleme entwickeln oder sich bestehende psychische Schwierigkeiten verstärken. Und manchmal werden wir auch krank.

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Traumata und andere schwere Belastungen

Es gibt aber auch Belastungssituationen, deren Schwere mit den «normalen» Alltagsschwierigkeiten, wie wir sie alle kennen, nicht vergleichbar sind. Dazu gehören einschneidende Ereignisse und Veränderungen, wie:

  • eine schwere Erkrankung oder Unfall
  • der Verlust einer nahestehenden Person
  • Trennung und Scheidung
  • Konfliktsituationen in Beziehungen
  • Gewalterfahrung psychischer, körperlicher und sexueller Art
  • Kriegserfahrung (Folter)
  • aber auch andere traumatische Erfahrungen wie Naturkatastrophen, Terroranschläge, u.a.

Nach solchen Erfahrungen ist es völlig normal auf körperlicher und psychischer Ebene zu reagieren. Es stellen sich vielleicht körperliche Symptome wie Schlafstörungen, verstärkte Schmerzzustände, aber auch psychische Symptome wie Angst, Unruhe, Gereiztheit, Trauer, Depressivität oder andere Verhaltensänderungen ein, die den Alltag beeinträchtigen und ein hohes subjektives Leiden verursachen können.

Gerade Trauerreaktionen auf den Verlust eines geliebten Menschen (sei es durch Tod oder Trennung) oder der selbstverständlichen Unbeschwertheit des Lebens durch ein traumatisches Ereignis, sind sehr individuell. Es braucht seine Zeit diese Trauer zu verarbeiten, sich wieder zurecht zu finden und manchmal auch dem Leben einen neuen Sinn zu geben und gehört zur normalen Bewältigung eines solchen Ereignisses. Aber nicht immer gelingt das allein, manchmal ist es angebracht, professionelle Hilfe und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dies vor allem wenn nach Wochen oder Monaten:

  • die Trauerreaktion nicht abnimmt und sich Gefühle wie Hoffnungslosigkeit oder Aussichtslosigkeit einstellen;
  • der Alltag nur mit einer enormen Kraftanstrengung bewältigbar ist;
  • sich die Gedanken des*der Betroffenen immerzu um das Ereignis drehen und es nicht möglich ist abzuschalten;
  • Verhaltensänderungen, wie Gereiztheit oder Aggressivität, nicht abnehmen oder sogar noch zunehmen;
  • die Betroffenen immer wieder Flashbacks (unwillkürliches und plötzliches durch Schlüsselreize ausgelöstes Wiedererleben des traumatischen Ereignisses) haben;
  • sich Suizidgedanken einstellen.

Einsamkeit und soziale Isolation

Gefühle der Einsamkeit sind weit verbreitet und können alle Menschen in allen Altersgruppen betreffen. Oftmals sind diese Gefühle nur vorübergehender Art, z.B. nach einem Schul- oder Wohnortswechsel, einer Trennung oder wenn wichtige Vertrauenspersonen und Freunde wegfallen.

Ist Einsamkeit aber nicht nur vorübergehend, sondern prägt den Alltag einer Person, kann dies ein Risikofaktor für die psychische Gesundheit sein. Denn Studien zeigen: neben dem Gefühl von Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe, sind stabile soziale Beziehungen der beste Schutz für die psychische, aber auch für die körperliche Gesundheit.

Wird die Einsamkeit zur sozialen Isolation, kann dies bei gesunden oder bereits vorerkrankten Menschen zu Gefühlen wie Ängstlichkeit, Depressivität, aber auch zu Schlafstörungen, Stress, Aggression und dem Gefühl von gesellschaftlicher Stigmatisierung führen. Einsamkeit und soziale Isolation verringern nicht nur die Lebensfreude, auch der Körper und das Immunsystem können Schaden nehmen.

Aber was kann man tun, gegen Einsamkeit und soziale Isolation? Das Netz ist voll mit guten Tipps. Hier einige davon:

  • Das Gespräch suchen mit Menschen aus der Umgebung
  • Kontakt zu alten Freunden aufnehmen
  • Neues entdecken und lernen
  • Treffpunkte besuchen
  • Sich ehrenamtlich betätigen
  • Freuden und Familie helfen
  • Und vieles mehr

Weitere Anregungen finden Sie hier. 

Alter

Das Alter selbst ist zwar kein Risikofaktor für die psychische Gesundheit, dennoch können gewisse Bedingungen oder Ereignisse, ein Risiko für die psychische Gesundheit darstellen.

Der Körper baut langsam ab, die Vergesslichkeit nimmt und es können andere altersbedingte Erkrankungen hinzukommen. Neben der Zunahme der körperlichen und kognitiven Verletzlichkeit, können auch andere belastende Faktoren hinzukommen, wie u.a.

  • Pensionierung und der Verlust von sinnstiftender Beschäftigung
  • Verlust des*der Lebenspartner*in und engen Bezugspersonen durch Tod
  • Pflegebedürftigkeit von Partner*innen
  • Vereinsamung
  • reale oder befürchtete Einschränkung der Selbständigkeit

Oftmals verdecken somatische Beschwerden eine psychische Beeinträchtigung, wie zum Beispiel eine Depression oder die Beschwerden werden dem normalen Alterungsprozess zugeschrieben.

Körperliche Beschwerden müssen auf jeden Fall abgeklärt werden, dennoch ist es sinnvoll, auch die Psyche nicht ausser Acht zu lassen sein, vor allem wenn die Beschreibung der Beschwerde sehr unspezifisch ist.

Sich Gutes tun. Tipps für psychische Gesundheit beim Älterwerden

Die Broschüre zeigt auf, wie die psychische Gesundheit bis ins hohe Alter gestärkt werden kann und bietet Ideen und Tipps, damit wir uns wohlfühlen und die Herausforderungen des Alterns möglichst gut meistern können.

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